Maren Assmus
Erzähle uns bitte etwas über deinen Werdegang.
Ich habe das Business quasi von der Pieke auf gelernt und in Wiesbaden in einem der letzten Couture Ateliers meine Schneiderlehre gemacht (Elise Topell Couture). Sprich, aus einem Stoffballen an der Puppe Kleider drapieren, Schulterpolster von Hand nähen, Anproben mit den alten Baroninnen und Modenschauen im Haus für die exklusiven Kunden. Eher per Zufall habe ich den Beruf des Stylisten kennen gelernt. Von da an war klar was ich werden wollte. Um den Top Stylisten assistieren zu können, habe ich nebenher am Theater und als Schneiderin in einem Brautgeschäft gearbeitet. Dann bin ich von „Little Mainz“ nach München gezogen und war 1 Jahr bei einer Stylistin im Verlag und von da an auf dem freien Markt.
Wo arbeitest du am liebsten und warum?
I love the sun! Und da arbeite ich natürlich auch am liebsten, aber leider nicht am meisten.
Deine Mutter hat einen Online-Shop für Yoga-Bekleidung. Hat sie dir das Talent mit in die Wiege gelegt, oder woher kommt deine Begeisterung für Mode?
Meine Mutter war sicher der Nährboden meiner Kreativität. Sie hat mir und meiner Puppe immer die gleichen Kleidchen genäht, was natürlich toll ist, wenn man ein Kind ist. Sie hat uns sogar die Puppen selbst gemacht und näht heute noch genauer als ich. Technisch habe ich meinen Meister aber überholt (lacht).
Was sind die Styling-Trends für dieses Jahr?
Im Sommer heißt es Beine zeigen. Hotpants und Boy Shorts, dazu Overknees. Wers lieber lang mag, kann getrost wieder die zerrissene Jeans aus den Neunzigern anziehen oder eine mit Flicken. Mustermix bei den Tops und bedruckte Hosen sind auf dem Vormarsch. Loose Pants in jeder Variation und Material bleiben uns erhalten. Overalls sind auch wieder mit am Start.
Trends sind Typsache. Man sollte im Blick haben, was zu einem passt und ob es einem auch steht. Man muss nicht alles mitmachen. Oder vielleicht auch mal wieder selbst kreativ werden. Da bieten sich die Jeanstrends besonders gut an.
Kleiner Richtwert: Stilmix ist gut, aber weniger ist mehr.
Schön ist, dass sich die Stilrichtungen kombinieren lassen und die Etikette verwässert wird. So kann man mit einem gut geschnittenen Jackett ein Casualoutfit aufwerten oder andersherum.
Hast du ein Musthave?
Mein persönliches Musthave ist gerade die Strickjacke. Damit ist man bei Bedarf gleich angezogen oder kann sie im Lagenlook gut mit Sommertops oder Kleidchen kombinieren. Je nach Material, Länge und Kombination kann sie also ein ganzes Jahr überleben.
Dein Internetauftritt ist sehr liebevoll gestaltet. Hattest du von Anfang an genaue Vorstellungen von dem Design deiner Website?
Mir war wichtig, dass die Internetseite etwas Handwerkliches hat. Trotzdem sollte es eine klare Sprache haben und nicht zu verspielt werden. Ich habe dann mit meiner Webdesignerin Ludmila Lorenz Stoffe, Gummiband, Gaffatape, Ripsbänder und was uns noch so unterkam eingescannt und Sounds von Gaffatape und Druckknöpfen aufgenommen und in die Seite eingebaut. Die Seite soll nicht nur meine Arbeiten zeigen, sondern auch einen Einblick in meine Sicht der Dinge geben.
Kannst du dich noch an deinen ersten Auftrag erinnern? Wenn ja, welcher war das?
Mein erster Job war damals für die Mainzer Designerin Anja Gockel. Ich hatte aushilfsweise für sie als Schneiderin gearbeitet, bei den Shows geholfen und dann zwei Lookbooks für sie in Folge gemacht. Es hat viel Spaß gemacht ihre ausgefallenen Kleider in Szene zu setzen. Weiß noch wie anstrengend es damals für mich war meine Vorstellungen von Ästhetik in Worte zu fassen, um das mit ihr und dem Fotografen in Einklang zu bringen. Meist geht es ja nur um Nuancen, die man oft nur spürt und nicht wirklich sichtbar sind.
Wie gefällt dir das perfect ART BUYING-Konzept? Was erwartest du von dem Portal, gibt
es bestimmte Features, die du dir wünschen würdest?
Filtern von wichtigen und unwichtigen Informationen, professioneller Austausch auf hohem Niveau, aufmerksam machen auf unbekannte Talente, schnelles Finden von interessanten Gesichtern im Castingpool.
Erzähle uns bitte etwas über deinen letzten Job.
Mein letzter Job war für einen Herrenausstatter. Wir hatten recht freie Hand und ich habe zusammen mit dem Fotografen das Konzept für die Kampagne entwickelt. Dem Kunden war wichtig den Hintergrund vom englischen Handwerk aufzugreifen. Wir haben dann mit Elementen wie Schneiderschere, Maßband, Nadel und Faden eine Hausangestellte auf ihren Hausherren treffen lassen.
Woher bekommst du deine Inspirationen?
Ich sehe mir internationale Magazine meist im Schnelldurchlauf an. Meine Inspirationen bekomme ich weniger von den bereits bestehenden Modestrecken. Entdecke ich eine interessante Bildsprache in Magazinen oder etwas was meine Idee widerspiegelt, fotografiere ich es meist ab und sammle die Eindrücke auf meinem Rechner. So wächst mit der Zeit ein Konzept, was sich natürlich auch verändert. Ich gehe auf Kunstausstellungen, sehe mir Musikvideos an und erfreue mich an gut umgesetzten Trends auf der Straße.
Welches Shooting würdest du gern produzieren?
Ich liebe es, Kleidung zu entfremden. Natürlich ist Mode Statussymbol und vor allem aber Ausdruck des eigenen Ichs. Ich würde gerne mal ein Shooting machen, bei dem ich die Körper deformiere, indem ich mit den Größenverhältnissen spiele und Proportionen neu definiere. Ich liebe die Ästhetik, doch habe ich manchmal eine andere Definition davon. Oft finde ich in skurrilen Dingen eine simple Schönheit.
Mit welchem Kreativen/Model würdest du gern einmal zusammen arbeiten? Warum?
Leider muss ich sagen, dass ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht habe. Mit Marylin Manson, Björk oder Matthew Barney würde ich gerne mal zusammen arbeiten. Diese Künstler inspirieren mich wirklich. David Lynch und Chris Cunningham sind ebenso Inspiration und Herausforderung zugleich und eröffnen sicher neue Horizonte.
Was wäre aus dir geworden, wenn du dich nicht für den Beruf der Stylistin entschieden hättest?
Ich wäre wahrscheinlich Tiertherapeutin geworden; würde mit Delphinen im Meer schwimmen und mit ihnen autistische Kinder in ihrer Entwicklung fördern. Es schlagen doch zwei Herzen in meiner Brust, aber ich habe gemerkt, dass ich mich erst mal um die Fashiontante in mir kümmern muss. Dieser Plan besteht auch immer noch. Ich möchte gerne ab 40 mit dem Styling aufhören und mich den wichtigen Dingen des Lebens widmen.
Also, sollte ich es bis dahin vergessen haben, erinnere mich doch bitte daran...
Und natürlich die Frage: Was ist neun.neun?
neun.neun ist eine Hommage an mein Schnuffeltuch aus meiner Kindheit. Meine erste textile Leidenschaft. Ich habe meine Firma “neun neun styling” genannt, da ich diesem Schnuffeltuch mein Feingefühl für Stoffe verdanke. Für Shootings suche ich so lange bis ich das gewisse Kleidungsstück gefunden habe.
Vielen Dank, Maren!
Isabel Dwinger
perfect ART BUYING-Team
MAREN ASSMUS I STYLISTIN |
| 1978 geboren in Mainz |
| seit 2003 Selbstständig als Stylistin, Assistenz bei Brigitte M. Wilhelm, Bätty Mete, Sabine Berlipp, Ruth Kramer |
| Kunden: Annemarie Börlind, Audi, Chiemsee, Hugo Boss, Karstadt, Mini, Marc Geradelli, Intersport, Chicco, Deichmann,Stenzhorn Juwels, Puma, Tchibo, Zucchero |
| Internet: www.neun-neun.com |
Email: info@neun-neun.com |

